Mit politischer Brisanz wird über das Thema Plagiate debattiert, denn es wurden Vorwürfe laut, laut denen der Verteidigungsminister Zu Guttenberg Passagen seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben soll, ohne diese als Zitat zu kennzeichnen. Um derartigen „Copy-&-Paste“- Diebstahl aufdecken zu können, gibt es diverse Software unterschiedlichster Anbieter, die versprechen, derartige Plagiate aufzudecken. Doch laut Deborah Weber-Wulff, Professorin für Medieninformatik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, taugen derartige Programme nicht sonderlich viel. Ihrer Meinung nach gibt es ein kostenloses Tool, mithilfe dessen man Plagiate oder Textdiebe wesentlich besser aufspüren kann. Die Rede ist von Google.
Seit dem Jahre 2004 testet Weber-Wulff regelmäßig Programme, die Plagiate aufdecken sollen. Doch bislang gab es, laut ihrer Aussage, noch kein Programm, das sie bedenkenlos empfehlen könne. Von den 26 Programmen, die sie allein im vergangenen Jahr getestet hat, stufte sie 12 Programme sogar als vollkommen nutzlos ein. Sie äußerte vor allem daran Kritik, dass auch die besten Programme höchstens eine Trefferquote von 60 Prozent erreichen. Das bedeutet, dass mindestens 40 Prozent der Plagiatsfälle gar nicht bemerkt werden. Um an einer Hochschule Verwendung zu finden, reicht dies bei Weitem nicht aus. Das liegt vor allem daran, dass derartige Software zwar Kopien, aber nicht alle Arten von Ideenklau aufdecken kann. So wie der Wortlaut des Textes verändert wurde, erkennt die Software diesen nicht mehr als Plagiat, obwohl der Inhalt komplett identisch ist.
Google hingegen liefert wesentlich bessere Ergebnisse. Um Textpassagen auf ihre Einzigartigkeit hin zu überprüfen, muss man einfach einige seltene, spezifische Wörter in die Suchmaschine eingeben, die in der jeweiligen Textpassage sehr dicht beieinanderstehen. So kann Google nicht nur eine Wort-für-Wort-Kopie, sondern auch inhaltsidentische Texte finden. Bei diesem Vorgehen kann die Suchmaschine sogar Texte überprüfen, die nicht frei für jeden Nutzer zugänglich sind, denn Google kann auch in Texten suchen, für deren Einsehen der allgemeine Nutzer Geld bezahlen müsste.
Doch auch in der Wirtschaft werden Plagiate zu einem immer mehr diskutierten Thema. Vor allem die asiatischen Länder fertigen Produktkopien an. Vor allem im Bereich der Bekleidung und der Elektronik sind sehr viele Plagiate auf dem Markt. Für den Verbraucher sind diese Kopien in der Regel kaum zu erkennen, da diese sich optisch kaum von den Originalen unterscheiden. Doch qualitativ sind diese Plagiate weitaus weniger hochwertig, als die Originalprodukte. Daher können die Plagiate für einen weitaus günstigeren Preis angeboten werden.
Da optisch kaum Unterschiede erkennbar sind, freuen sich die Verbraucher über die vermeintlichen Schnäppchen und schlagen zu. So nimmt die Wirtschaft durch die Plagiate einen enormen Schaden. Die Unternehmen, die sehr viel Geld in das Produktdesign und die Qualität ihrer Produkte investieren, können ihre Produkte aufgrund der hohen Entwicklungs- und Materialkosten nicht zu einem derart günstigen Preis anbieten. Doch auch der Ruf der Unternehmen wird durch Plagiate geschädigt. Da die Qualität der Plagiate in der Regel sehr schlecht ist, treten schnell die ersten Mängel an der Ware auf. Der Käufer, der davon ausging, ein Original gekauft zu haben, wird dieses Produkt bei dem vermeintlichen Hersteller reklamieren. Doch nicht nur das. Wer einmal schlechte Erfahrungen mit einem Hersteller gemacht hat, kauft in der Regel keine Produkte dieser Marke mehr und berichtet auch seinen Freunden und Bekannten davon. So kommt das Unternehmen, dass der vermeintliche Hersteller des fehlerhaften Produktes ist, in Verruf und verliert wertvolle Kunden.
Um ihren Ruf und ihre Umsätze zu sichern, beauftragen immer mehr Firmen sogenannte Marken-Detektive. Diese sind vor allem auf Messen und Märkten im Einsatz. Sie überprüfen die dort angebotenen Artikel der jeweiligen Marke auf ihre Echtheit. Oft bekommen sie von ihrem Auftraggeber dafür konkrete Merkmale genannt, auf die sie achten sollen. Denn nach außen sehen die Plagiate täuschend echt aus. Doch achtet man aufs Detail, wie zum Beispiel Innennähte von Schuhen oder Aufkleber auf Elektronikwaren, kann man schnell erkennen, ob es sich um ein Original oder ein Plagiat handelt. Der Verbraucher würde auf derartige Merkmale in der Regel nicht achten. Sollten die Markendetektive dabei auf Plagiate stoßen, wird sofort der Zoll informiert.
Auch der Auftraggeber, das Unternehmen, wird darüber in Kenntnis gesetzt. So kann das Unternehmen Anzeige gegen die Fälscher erstatten und der Verkauf der Plagiate wird sofort gestoppt. Vor allem auf Messen werden so viele Markenfälschungen enttarnt. Durch den Einsatz der Markendetektive kann auf diese Weise ein enormer wirtschaftlicher Schaden von den Unternehmen abgewendet werden. Auch der gute Ruf der jeweiligen Marke bleibt erhalten, wenn verhindert werden kann, dass die oft mangelhaften Plagiate in Umlauf kommen.
Author: Johann Kulcsar, hoopo.de
Bild: Daniel Ernst – Fotolia.com
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