Kaufhausdetektiv
Von den meisten nicht wahrgenommen und trotzdem stets präsent: Kaufhausdetektive haben etwas Geheimnisvolles.
Jeder könnte es sein, ohne dass der normale Kunde etwas davon merkt. Die Kehrseite sieht ähnlich aus. Aus Sicht des Kaufhausdetektivs könnte es ebenfalls jeder sein, nämlich ein Krimineller, ein Dieb, ein Langfinger.
Kaufhausdetektiv wie ein Privatdetektiv ist kein anerkannter Beruf und auch kein Ausbildungsberuf. Unabhängig vom Schulabschluss muss ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorhanden sein und gemäß § 34a GewO für das Bewachungsgewerbe eine so genannte Sachkundeprüfung abgelegt werden, um die Tätigkeit eines Kaufhausdetektivs aufnehmen zu dürfen. Diese Prüfung wird auf der Grundlage eines Seminars oder Ähnlichem vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) abgelegt. Ziel dieses Seminars und der folgenden Prüfung ist die Vermittlung der erforderlichen rechtlichen Bestimmungen.
Zusätzlich sollte jeder Interessierte Wissen über Tricks von Ladendieben, auffälliges und verräterisches Verhalten sowie deren Vorgehen erwerben. Die Quellen hierfür können vielfältig sein. Neben diesen rechtlichen und formalen Vorschriften, eignen sich angehende Kaufhausdetektive durch Geduld, gute Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis für diese Tätigkeit.
Der Arbeitsplatz ist ganz verschieden gestaltet. Oft wird ein Büro angeboten und zum Teil helfen Überwachungsanlagen und Warensicherheitssysteme bei der Beobachtung von Diebstählen. Auch Spiegel, angebracht unter Warenregalen oder an der Decke, können bei der Beobachtung wichtige Hilfsmittel sein. Der Arbeitsplatz gliedert sich im Groben also in zwei Bereiche: die Verkaufsfläche und das Büro, in der häufig Kameraübertragungen eingesehen werden können. Besondere Aufmerksamkeit gilt uneinsehbaren Ecken wie beispielsweise Umkleidekabinen und dem Kassenbereich. Geschickte Diebe können eine Kasse binnen weniger Sekunden ausräumen. Daher ist es sehr hilfreich, wenn der Detektiv Anzeichen im Verhalten erkennt, mit denen sich ein Täter selbst entlarvt. Beispielsweise ungewöhnlich häufiges Umsehen oder unbewusste Verlegenheitsgesten verraten, wenn jemand etwas zu verbergen versucht. Kaufhausdetektive tragen viel Verantwortung über häufig große Fläche.
Gekleidet in normaler Alltagskleidung, sind Kaufhausdetektive nicht von anderen Kunden zu unterscheiden. Nur so fühlen sich Ladendiebe unbeobachtet. Wenn ein Delikt bei frischer Tat auffliegt, sind schnelle Reaktionen erforderlich, denn auch das Verhindern von Fluchtversuchen gehört zu den Aufgaben des Detektivs. Wenn möglich, wird zunächst der Täter angesprochen. Oft reichen dieser peinliche Moment und das Gefühl ertappt worden zu sein, um den Täter zur Einsicht und Kooperation zu bewegen. Sollte aber der Erwischte den Diebstahl nicht zugeben und einer Taschendurchsuchung nicht zustimmen, so bleibt als einzige Handlungsalternative das Festhalten am Tatort bis die Polizei eintrifft. Eigenmächtiges Durchsuchen oder gar Festnehmen ist hingegen nicht erlaubt. Schwieriger wird es, wenn lediglich ein Verdacht besteht. Hier kann der Detektiv nur um eine Tascheneinsicht bitten und hat ansonsten keine Handhabe.
Ganz unterschiedlich fällt der Verdienst aus. Abhängig vom Bundesland und der vorliegenden Beschäftigungsform (selbstständig oder in einem Angestelltenverhältnis) beträgt der Stundenlohn zwischen sechs und zehn Euro oder sogar mehr. Teilweise werden zusätzlich Erfolgsprämien ausgestellt.
Wer anderen Menschen skeptisch, aber keineswegs feindlich gegenübersteht und mit viel Neugier wie auch Geduld seine Arbeit verrichten möchte, der bringt die richtigen Voraussetzungen mit, um als Kaufhausdetektiv erfolgreich Ladendiebstähle aufzudecken.
Immer neue Situationen und Menschen sowie deren unkalkulierbares Verhalten erfordern rasche Situationseinschätzungen und angemessene Reaktionen. Somit leisten Kaufhausdetektive eine Menge. Jeden Tag. Selbst wenn man sie nicht wahrnimmt.
Author:JK.
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