Die sogenannte Copy and Paste Mentalität ist in Deutschland weiter verbreitet, als viele denken würden. Der Begriff leitet sich aus dem Englischen ab und bedeutet so viel wie kopieren und einfügen. Gemeint ist damit das Kopieren von Texten und anderem fremden geistigen Eigentum, das ohne Absprache und Berechtigung geschieht. Das Beispiel der Doktorarbeit des deutschen Außenministers Karl-Theodor zu Guttenberg ist nur die Spitze des Eisberges. Gerade im Internet werden seit Jahren fremde Texte und Informationen geklaut und weiter verwendet.
In Deutschland sind Texte gesetzlich als geistiges Eigentum geschützt.
Zu Recht, denn es steckt eine Menge Arbeit dahinter und jeder Text hat seinen Wert. Vor einiger Zeit mahnte die Nachrichtenagentur AFP in einer bis dahin beispielslosen Aktion zahllose Betreiber von Internetseiten ab, die Texte verwendeten, ohne Lizenzen zu erwerben. Der Schaden ist enorm, da die Autoren nicht am Gewinn, der teilweise mit den fremden Texten erwirtschaftet wurde, beteiligt sind. Gesetzlich ist der Schutz geistigen Eigentums eigentlich geregelt, aber viele Personen halten sich schlicht nicht daran, obwohl Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren drohen.
Beispielsweise ist es in Schulen weit verbreitet, für Referate oder andere schriftliche Ausarbeitungen Texte der Internet-Enzyklopädie Wikipedia zu kopieren, gegebenenfalls leicht zu ändern und abzugeben. Schlimmer wird dies, wenn Studienarbeiten kopiert werden und sich somit der Nachweis einer nicht erbrachten Leistung erschlichen wird. Universitäten setzen auf Abschreckung und ein Vertrauensverhältnis zwischen Student und Professoren. Im Falle eines Verstoßes, wenn also Gedanken eines anderen verwendet und nicht als solche gekennzeichnet werden, droht die Exmatrikulation, also der Ausschluss von der Universität.
Die Verwendung fremden geistigen Eigentums in einer Doktorarbeit ist besonders pikant: Zum einen soll eine Doktorarbeit eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit sein, in der neue Gedanken entwickelt werden zum anderen ist mit dem Tragen eines Doktortitel eine gewisse gesellschaftliche Anerkennung verbunden, die den Versuch eines ungerechtfertigten Erreichens dieser Würde aus Gründen der Ehre und des Anstandes von vorherein verhindern sollte. Der Träger eines Doktortitels, den er sich über Jahre in mühevoller Beschäftigung erarbeitet hat, ist zu Recht stolz auf seine Leistung. Die Aberkennung der Doktorwürde ist um ein vielfaches schmerzhafter, als es die Anerkennung im umgekehrten Sinne ist.
Wer schon einmal wissenschaftliche Arbeiten verfasst hat, wird merken, dass viele eigene Gedanken nicht neu sind und irgendwo bereits niedergeschrieben wurden. Es ist sicher auch Aufgabe des Betreuers der Doktorarbeit, den Verfasser darauf hinzuweisen. Denn die Ideen anderer zu zitieren ist keine Schande.
Dass aber Textpassagen zufällig Wort für Wort mit dem Werk eines anderen übereinstimmen, ist nahezu unmöglich. Sicher können bestimmte Formulierungen ähnlich ausfallen, vor allem wenn man sich bereits monatelang mit einem Thema und der entsprechenden Literatur befasst hat. Der Fall zu Guttenberg scheint also klar und es ist nur verwunderlich, wie er mit einer derartigen Naivität glauben konnte, es werde nicht bemerkt werden.
Heutzutage lässt sich mit wenig Aufwand Duplicate-Content im Netz finden, die Textdiebe lassen sich durch Tools oder noch einfacher über google finden. Textpassagen einfach in Suchmaschinensuchfeld eintragen, gleich werden die Änlichkeiten verschiedener Textpassagen sichbar.
Jedoch sollte zu Guttenberg nicht öffentlich in den Medien an den Pranger gestellt werden. Es ist die Sache der Universität, die ihm die Doktorwürde verliehen hat, die Sache zu klären und gegebenenfalls die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Durch das nachträgliche setzen einiger Anführungszeichen und die Erweiterung des Literaturverzeichnisses wird sich die Sache kaum klären lassen.
Dennoch bleibt zu wünschen, dass zumindest einige Menschen besser verstehen, dass auch Texte ein geistiges Eigentum sind und nicht einfach kopiert werden dürfen. Denn die meisten Menschen ärgern sich über Chinesen, die verschiedene technische Innovationen kopieren, klauen aber selbst Texte aus dem Internet und verwenden sie weiter. Der Unterschied ist letztlich kein wesentlicher.
Bild:contrastwerkstatt – Fotolia.com
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